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Stadt Zörbig
Markt 12
06780 Zörbig
Sachsen Anhalt

Ortschaft Löberitz

Im Norden und Westen durch das Sumpfgebiet der Fuhne begrenzt und im Osten durch die Zörbiger Burganlage geschützt, kam es um 700 n. Chr. zur Gründung der Dörfer Löberitz sowie der später eingemeindeten Grötz und Rodigkau. Als Gründer gelten die Wenden, ein von Osten kommender sorbisch-slawischer Stamm. Vor allem Grötz verweist durch seinen Namen, der aus dem slawischen Sprachraum kommt und soviel wie kleine Schanze oder Burg bedeutet, auf die slawische Gründung hin. Unweit von Löberitz, allerdings noch auf Zörbiger Flur und nahe der alten Handelsstraße, welche von Zörbig in den Nordwesten führt, liegt der sagenumwobene Flinz oder Teufelsstein.

Es handelt sich um einen eiszeitlichen Granitblock, der den Sorben aber auch schon früher den Germanen als Kultstätte diente. Nach der Christianisierung soll er als Marienwallfahrtsort gedient haben. Begünstigt wurde die Löberitzer Ortsgründung vor allem durch die Lage an der wichtigen Handelsroute, der sogenannten Salzstraße, die von Halle beginnend über Zörbig in den Nordosten des Landes führte. Schon im 12. Jahrhundert standen die Häuser in geschlossenen Reihen. Die erste urkundliche Erwähnung, damals noch als Luberitz, datiert aus dem Jahre 1207. Immer mehr entwickelte sich Löberitz als Hauptdorf, einerseits durch die sich dort entwickelnden Rittergüter, vor allem aber durch den Bau einer, dem Heiligen Martin geweihten Kirche im Jahre 1432. Noch früher soll hier eine kleine Kapelle gestanden haben. Neben der Kirche entstand 1578 eine Schule, welche 1829 stark erneuert wurde, ehe es 1851 zu einem Schulneubau kam.

Aber nicht nur positive Ereignisse bestimmte die geschichtliche Entwicklung des Ortes. 1547 kamen Truppen Karls des V. nach der Schlacht bei Mühlberg durch den Ort und verwüsteten schlimmstens. Während des Dreißigjährigen Krieges kam das sogar mehrmals vor. Des weiteren machten tödliche Seuchen, wie zum Beispiel die Pest, vor dem Ort nicht halt. Vor allem die arme Landbevölkerung hatte darunter zu leiden. Auch vor Brandkatastrophen blieb der Ort nicht verschont. Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn im Jahre 1867 die freiwillige Feuerwehr als eine der ersten Wehren des Bitterfelder Raumes, entstand. Der Gründer und erster Hauptmann war der Gasthofbesitzer Ohme. Friedrich Franz Ohme war zu dieser Zeit der zentrale geistige Kopf im kulturellen und gesellschaftlichen Leben des Ortes.

Unter seiner Leitung entstand 1864 der Gesangverein "Liedertafel", 1865 der Turnverein und 1871 der Löberitzer Schachclub. Gerade der Schachclub machte überregional 1877 in Leipzig als Gründungsverein des "Deutschen Schachbundes" und 1882 im benachbarten Zörbig als Mitbegründer des "Saaleschachbundes" auf das Dorf Löberitz aufmerksam. Fünf große Schachkongresse dieses Bundes wurden in der "Weintraube", dem größten Gasthof des Ortes, abgehalten.

1873 bekam Löberitz eine Poststation, bzw. Franz Ohme erhielt die Erlaubnis zum Verkauf von Postwertzeichen. Auch ein Zeichen des gewachsenen Wohlstandes. Der Torfstich im Fuhnegebiet, zwei große Ziegeleien, eine Brauerei, eine Schnapsbrennerei die über 80 Jahre ihren Betrieb aufrechterhielt, und die 1899 eingeweihte Molkerei brachte den Menschen neben der Landwirtschaft ein Auskommen.

Der 1882 gegründete Geflügelverein für Löberitz und Umgebung, ein im Jahre 1916 erstmals erwähnter Fußballclub, der Löberitzer Sportverein von 1919, der 1920 gegründete Arbeiter-Radfahrer-Verein "Solidarität" und ein 1925 entstandener Bandonionclub bereicherten das kulturelle Dorfleben. Die zwei Weltkriege hemmten die kulturelle Expansion, schafften es aber nicht das Kulturleben völlig zu zerstören. Erst nach dem II. Weltkrieg wurde auf ein kulturelles Erbe kein Wert mehr gelegt. Vieles kam zum Erliegen. Nach der deutschen Niederlage im II. Weltkrieg wurde Löberitz 1945 kurzzeitig von den Amerikanern kontrolliert, ehe diese dann von der Sowjetarmee abgelöst wurden. Der dadurch eingeleitete Umsturz des schon seit 1871 bestehenden Gesellschaftssystems brachte auch für Löberitz viele Veränderungen mit sich. Alle Großgrundbesitzer wurden enteignet und der dabei gewonnene Grund und Boden wurde 1946 durch die Bodenreform an neue Besitzer übergeben. "Junkerland in Bauernhand" war der Leitspruch dieser Entwicklung und in den ersten Jahren konnte auch eine Aufbruchstimmung festgestellt werden.

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Westen und der Deutschen Demokratischen Republik in Mitteldeutschland kam es zur Teilung Deutschlands. Die Ostgebiete wie Schlesien, Ostpreußen, Pommern und das Sudetenland gingen an die durch den Krieg geschädigten östlichen Nachbarstaaten. Viele Flüchtlinge aus diesen verlorenen Gebieten kamen auch nach Löberitz und fanden hier eine neue friedliche Heimat. Harte Arbeit und mancherlei Entbehrungen in den Nachkriegsjahren ließen die Flüchtlinge und die ansässigen Löberitzer zusammenwachsen. Am 4.11. im Jahre 1949, gründeten 15 Löberitzer einen Ziegenzuchtverein. Vorsitzender wurde Richard Kohl sen. Die Zwangskollektivierung und die Gründung von den großen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften machten dieser Euphorie ein Ende. Im September 1952 kam es auch in Löberitz zur Gründung einer LPG. Sie erhielt den Namen des deutschen Bauernführers Thomas Müntzer. Ab dieser Zeit ging es auch in Löberitz nicht mehr ganz so zielgerichtet weiter.

1989 kam es nach jahrzehntelanger Misswirtschaft im Osten Deutschlands zu einer friedlichen Revolution. Eigentlich war diese Entwicklung gesetzmäßig doch für alle Bürger nicht vorhersehbar und extrem schnell. Die Ereignisse überschlugen sich und eine "Politik des Runden Tisches" löste bis zu einer gesellschaftlichen Neuordnung den abgewirtschafteten Kommunismus ab. Viele neue Maßnahmen, wie zum Beispiel die Versorgung des gesamten Ortes mit Trinkwasser, Ausbau mehrerer Straßen und die großzügige Sanierung der Kindereinrichtungen brachten nach der Wiedervereinigung neuen Wind in die Gemeinde.

Leider gab es bei dieser Entwicklung auch wieder Hemmnisse, denn Löberitz wurde wie viele der Nachbarorte nicht in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen, da es mit 1200 Einwohner gegenüber den anderen Orten bisher als zu groß galt. So waren natürlich viele Erneuerungsmaßnahmen finanziell nicht möglich. Doch die Gemeinde ließ sich dadurch nicht entmutigen und versucht auch weiterhin den Ort und den dort lebenden Bürgern ein wohnliches Leben zu sichern.

Ab dem 1. März 2004 bildete die ehemalige Gemeinde Löberitz mit den Gemeinden Göttnitz, Schrenz, Salzfurtkapelle, Spören, Stumsdorf und der Stadt Zörbig die neue Einheitsgemeinde Stadt Zörbig.